Haus Fahrnberger

Emmersdorf

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Über 600 Jahre alt und an der dünnsten Stelle über 90 Zentimeter dick: Die Außenmauern des Hauses stammen aus der Renaissance. Das Haus von Gabriele und Erwin Fahrnberger glänzt heute wieder im Originalzustand. Mehr noch: Es bietet zeitgemäßen Arbeits- und Wohnkomfort auf insgesamt drei Ebenen. Über 500 Quadratmeter haben die Bauherren über mehrere Jahre hindurch saniert. „Die Basis dafür war das Gutachten des regionalen Bauforschers“, erzählen die beiden. Eine wichtige Quelle, um die Geschichte des Objekts zu verstehen.

Mit dem Gebäude arbeiten

„Man kann nur mit dem Gebäude arbeiten, nicht gegen es“, lautet die wichtigste Empfehlung der beiden. Heißt: Sich der Grundstruktur des Hauses anzupassen. Im Haus von Gabriele und Erwin Fahrnberger in Emmersdorf wurde zu jeder Zeit gleichzeitig gewohnt und gearbeitet – diese Grundstruktur behielten die beiden bei. Unten arbeiten, oben wohnen.

Best Practice: Wachauer Kegelgaupen

Das Haus steht unter Denkmalschutz – ein gutes Miteinander mit dem Bundesdenkmalamt war allen zu jeder Zeit wichtig. Dafür sorgte auch die Wahl der passenden Firmen, die bereits Erfahrung mit historischen Gebäuden und mit der Behörde hatten, wie zum Beispiel beim Dach. Der Biedermeier-Dachstuhl war intakt – gedeckt wurde das Dach mit Holzschindeln, wie früher üblich. Auch die acht Wachauer Kegelgaupen wurden mit Lärchenschindeln eingekleidet – eine der vielen Besonderheiten des Objekts. Heute gelten diese Gaupen als Best-Practice-Beispiel für diese Sonderform.

Die Materialien verstehen, im Internet recherchieren

Stein, Sand, Kalk – die traditionellen Materialien verstehen, lautet der zweite Tipp des Besitzer-Paars. Dafür empfehlen sie als Nachschlagewerke die Veröffentlichungen des Bundesdenkmalamtes. Weitere Praxiserfahrungen und Leitfäden wurden in der Zusammenarbeit mit den Bauforschern besprochen. Zusätzlich hat das Besitzerpaar viel im Internet und auf Social Media recherchiert. Zum Beispiel, wie das Löschen des Kalks funktioniert und das Auftragen des Kalkputzes. „Eine gute Recherchequelle sind neben österreichischen Publikationen auch die deutschen Landesämter für Denkmalpflege“, empfehlen die beiden. Auch mit vielen Handwerksbetrieben haben sie gesprochen: jenen, die sich auskennen mit den alten Techniken. „Es gibt ein Netzwerk aus Denkmalpflegern und Handwerkern, die sich gegenseitig mit Rat und Tat unterstützen.“

Teil des „Netzwerks“ werden

Auch ein regionaler Schmied zählt zu diesem Netzwerk. Bei ihm haben sie viele der historischen Beschläge gefunden. Eine Portion Entdeckergeist braucht es ohnehin bei einer Sanierung wie dieser. „Während mein Mann im Haus die verborgenen Türbögen sah, sah ich nur den Haufen Steine“, lacht Gabriele Fahrnberger. Gemeinsam arbeitet sich das Paar vor. Durch diverse Bodenaufbauten, dutzende Schichten Farbe an den Wänden. Zurück zum Ursprung des Gebäudes. Retour ins Mittelalter, aber mit zeitgemäßem Wohnkomfort. Dafür sorgt unter anderem die Fußbodenheizung. Die bestehenden Kastenfenster haben Gabriele und Erwin Fahrnberger eigenhändig saniert – im Loft im Dachgeschoß wurden neue Kastenfenster ergänzt. Damit alles aus einem Guss ist. Jedes Detail zählt.

Der richtige Weiß-Ton

Für die Fassade entschieden sich die Fahrnbergers für einen Kalkputz mit einer Fassung in gelblich-gebrochenem Weiß, ähnlich einem leichten Vanilleton. „Reinweiß gab es früher nicht“, erklärt Erwin Fahrnberger. Über ein Jahr haben seine Frau und er gemalt. Innen und außen. Einzige Ausnahme: der Sgraffito-Erker. Dieser wurde von einer Restauratorin rekonstruiert. Die Jahreszahl 1563 prangt jetzt wieder groß darauf. „Ich bin mir sicher, unser Haus steht auch in 200 Jahren noch. Wer mit traditionellen Materialien saniert, saniert nachhaltig.“