Atelierhaus

Aggsbach Art

Atelierhaus Aggsbach Art © Pamela Schmatz

Gabriele Lehner teilt die Jahre der Sanierung grob in zwei Perioden ein. Entkernen. Und danach vor Ort sein und sich überlegen, wo und wie man wohnen möchte. Willkommen in Aggsbach Markt in der Wachau. Mitten im Zentrum der kleinen Ortschaft befindet sich das Haus von Gabriele Lehner und ihrem Mann Ernst Alexander Grecht. Wie ein Schlussstein hat es seinen festen Platz hier im Ensemble. Prägend für den ganzen Ortskern.

Dreißig Jahre. So lange hat das Paar das Haus saniert. Genauso lange ist es davor leer gestanden. Eine alte Bäckerei, die jahrzehntelang nicht mehr genutzt wurde. Die Wände feucht, die Fassade grün verputzt, die Böden aus Linoleum. So haben die Besitzer das Haus damals übernommen. „Wir waren uns sicher, dass die Substanz des Hauses gut war“, so Gabriele Lehner.

Das Haus der vielen Details

Das ist eine außergewöhnliche Geschichte. Weil dieses Haus so viele Details besitzt, an denen die Besitzer minutiös gefeilt haben. Dinge, die auf den ersten Blick nicht sichtbar, aber spürbar sind. In Form eines außergewöhnlichen Raumklimas –Wohnqualität von heute, gepaart mit der Ruhe, die historische Gebäude in sich tragen. „Die ältesten Teile des Hauses sind zirka so alt wie die Ruine Aggstein“, erzählt Gabriele Lehner.

Damit die Sanierung so gelingen konnte, waren mehrere Faktoren wichtig. Wesentlich: der besondere Zugang des Besitzerpaars, das im Haus viele Jahre gelebt und gleichzeitig saniert hat. Das meiste davon in Eigenleistung und mit Hilfe von Familie, Bekannten, Nachbarn.

„Nach dem Steinboden im ersten Stock haben wir über zehn Jahre gesucht“, erzählt Gabriele Lehner. Den entscheidenden Hinweis lieferte eine befreundete Architektin, die den Umbau begleitete. Auch die Wahl der richtigen „Begleiter“ war fürs Bauen entscheidend: die Architektin, die sich viel Zeit nahm, um Lichteinfall und Blickachsen im Haus zu analysieren. Der regionale Baumeister, der das Projekt in allen Phasen mit seiner Expertise unterstützt hat – und mit Mitarbeitern, falls es notwendig war.

Der Faktor Zeit

Der wahrscheinlich wichtigste Faktor: Zeit. Genau jene Zeit, um nach den besten Lösungen zu suchen. Zum Beispiel für die Eingangstür aus Holz, die im Original erhalten ist, restauriert und mit neuen Teilen ergänzt wurde.

Auch beim großen Eingangstor und den Fenstern haben Gabriele Lehner und ihr Mann mit dem Altbestand gearbeitet: die Fenster wurden geschliffen und geölt – nur ganz wenige Einzelteile mussten ergänzt werden. Welcher der Fensterstöcke der eine neue ist, lässt sich für den Laien kaum erkennen.

Empfehlung: umschauen in der Region

Sichtbarste Veränderung außen ist der Rückbau der Fassade: der Verputz wurde abgeschlagen, damit die Steinstruktur des Hauses sichtbar wurde. „Wir haben lange nach einer Fassaden-Lösung gesucht und dann in Joching ein Beispiel gefunden, das uns gefallen hat. Meine Empfehlung ist, sich vieles in der Gegend anzuschauen.“

Keine feuchten Mauern mehr

Beton raus, Verputz runter. So können die Mauern atmen – das Problem mit der Feuchtigkeit ist gelöst. Dafür sorgt auch die konstante Luftzirkulation, die durch offene Kellerfenster sowie Tür- und Tor-Teile entsteht. In der kalten Jahreszeit sorgen Fuß- und Wandheizungen für angenehmes Raumklima – sowohl in den Wohn- als auch den Ausstellungsflächen. Heute wird das Haus als Atelier und Galerie genutzt. Durch die großen Glasflächen im Erdgeschoss kann man einen Blick auf zeitgenössische Kunst werfen. Und auf die handgeschmiedeten Eisengitter, die genau für diese Öffnungen entwickelt wurden. Noch ein Detail, von dem man sich inspirieren lassen kann.